01.05.2021

Die Auswirkungen der Coronapandemie im Schulalltag

Eine Umfrage zu Motivation, Schulerfolg und psychische Belastungen von Schülerinnen und Schülern während der Pandemie.


Ein Projekt des WPG-PP+ der 8.ACM.

(n:110. Erhebungszeitraum: 05.02. – 19.03.2021, BRG Hamerling Oberstufe)

 

Dank vieler Rückmeldungen von Oberstufenschüler:innen am BRG Hamerling konnten wir uns ein Bild von der Situation für Schüler:innen während der Pandemie machen. Ziel war es vorrangig, zu untersuchen, ob während der Lockdowns und den verschiedenen Phasen des Distance-Learnings Auswirkungen auf die Lernmotivation, den Schulerfolg sowie die psychische Gesundheit spür- und messbar sind.

So geben z.B. ein Viertel der Schüler:innen an, dass sich die Motivation für die Schule während des zweiten Lockdowns zwischen November 2020 und Februar 2021 „sehr verringert“ hat, weitere 55% finden, dass sich diese „eher verringert hat“. Weiters konnte erhoben werden, dass die Motivation für schulische Aufgaben im zeitlichen Verlauf der Pandemie abnahm.

Befragt nach dem subjektiven Empfinden, ob der Schulerfolg unter den Lockdowns gelitten habe, geben rund 40% an, dass sich diese nicht verändert habe. Weitere 55% geben an, im Vergleich zum Vorjahr keine bessere oder schlechtere Note bekommen zu haben. Daraus kann man schließen, dass sich die subjektive Leistungseinschätzung der Schüler:innen zu einem guten Teil mit der Beurteilung deckt.

 

Schulischer Mehraufwand durch Lockdowns

Für die Phase des 1.Lockdowns geben die rund 65% der Schüler:innen an, dass ihr täglicher Mehraufwand für die Schule „eher“ bzw. „sehr gestiegen“ ist. Für den Zeitraum des 2.Lockdowns im Herbst 2020 reduziert sich diese Einschätzung auf 42% der Befragten, 35% geben an, dass der Aufwand für die Schule während des 2.Lockdowns gleich geblieben ist. Den Grund für den gestiegenen Arbeitsaufwand sehen die Schüler:innen der Oberstufe hauptsächlich bei den aufwendigen Arbeitsaufträgen (52%) und der gesunkenen Motivation für schulische Aufgaben (38%).

26% geben außerdem an, dass ein gesunkener Aufwand für die Schule mit der Tatsache in Verbindung zu bringen ist, dass man sich während des Lockdowns nur schwierig bzw. nicht für die Schule motivieren konnte.

 

Motivation für Schule mit Länge der Lockdowns gesunken

Dass die Motivation für die Schule mit der zunehmenden Länge der Lockdowns sinkt, gilt auch für das BRG Hamerling: 68% der Schüler:innen geben an, dass ihre Motivation von November 2020 bis Februar 2021 für die „Homeschooling“ Einheiten eher bzw. sehr gesunken ist, ganze 72% behaupten dies für die Erledigung der Arbeitsaufträge.

Hauptgründe für die sinkende Motivation der Schüler:innen finden sich im eintönigen Onlineunterricht, sowie bei den aufwändigen Arbeitsaufträgen (je 57%), aber auch durch die leichte Ablenkung zu Hause (44%). Jene Schüler:innen, deren Motivation im Zuge der Lockdowns gestiegen ist, führen dies zu 31% darauf zurück, dass sie die Möglichkeit wahrgenommen haben, sich die Note durch die Arbeitsaufträge zu verbessern.

 

Distance Learning: Vor- und Nachteile

Vergleicht man die Möglichkeiten des Homeschoolings mit der tatsächlichen Anwesenheit im Unterricht, so geben zwei Drittel der Schüler:innen an, dass sie die Inhalte „eher schlechter“ bzw. „viel schlechter“ verarbeiten würden, als im Präsenzunterricht an der Schule. Nur 9% der Schüler:innen geben an, zu Hause konzentrierter arbeiten zu können, 41% bewerten ihre Effizienz zu Hause als „gleich gut“ wie es in der Schule der Fall wäre.

Die Situation der Oberstufenschüler:innen am BRG Hamerling im Lockdown konnte ebenfalls gut nachgezeichnet werden: so geben 83% der Schüler:innen an, ein eigenes Zimmer sowie Arbeitsgerät zu besitzen, weitere 12% teilen sich Räumlichkeiten mit ihren Geschwistern oder Eltern, besitzen jedoch ebenfalls ein eigenes Gerät. Rund 5% der Schüler:innen müssen sich Arbeitsgerät und Räumlichkeiten teilen.

 

Gestiegener Stresslevel & psychische Belastungen

Insgesamt 62% der Befragten sagen von sich aus, dass der persönliche Stresslevel gestiegen ist, rund ein Fünftel der Schüler:innen empfand während der Lockdowns das Gegenteil.

Rund 70% der Schüler:innen geben an, dass die gesunkene Zeit mit Freunden ihre Zeit im Lockdown „sehr hoch“ bzw. „eher hoch“ beeinflusst hat – dieser Anteil lässt sich auch bei den psychischen Belastungen festmachen (25% sehr hoch). 58% sagen zudem, dass sich der persönliche Lernstress im Lockdown ausgewirkt hätte. Die psychischen Belastungen der Schüler:innen lassen sich auch Großteils auf fehlende soziale Kontakte, Schulstress und Schularbeiten bzw. Tests zurückführen. Rund 90% der Befragten geben außerdem an, dass die Arbeitslosigkeit eines Elternteils keine Rolle gespielt hat.

69% der Schüler:innen würden sich nach dem Lockdown als „antriebsloser“ bezeichnen, gut 49% geben an „gestresster“ zu sein, 35% fühlen sich depressiver als vor den Lockdowns.

 

Gemischte Gefühle gibt es unter den Schüler:innen wenn es darum geht, auch in Zukunft „Distance Learning“ Einheiten zu absolvieren: Aus den Ergebnissen der Umfrage lässt sich keine Abneigung bzw. Präferenz ableiten. Des Weiteren hat die Phase des Lockdowns tendenziell nicht dazu beigetragen, die „Zeit vor dem Bildschirm“ bewusster zu nutzen. Abschließend geben 41% der Schüler:innen an, die Phase des „Distance Learnings“ eher negativ in Erinnerung zu behalten,  17% eher positiv und 42% stehen dieser Phase ihrer Schulzeit eher gleichgültig gegenüber.

 

Weitere Kommentare der Schüler:innen (Anonym):

„Das Home-Schooling(Videokonferenzen) finde ich persönlich angenehmer als Arbeitsaufträge, da diese sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen.“

 „Mir hat Distance Learning gar nicht gefallen, die Lehrer haben viel zu viele Aufträge gegeben und zu hohe Erwartungen gehabt!“

„Distance Learning ist besser als Schichtbetrieb. Da man im Schichtbetrieb keine Routinen entwickeln kann.

„Das Distant Learning war eine sehr anstrengende Zeit, was nicht heißt, dass sie nicht auch sehr lehrreich war! Man schätzt seine Freiheiten (Freunde treffen, Training, Schule, Freizeitaktivitäten) viel mehr und man wird sich bewusst was es überhaupt heißt "eingeschränkt" zu sein!“

„ich mag zwar das home-schooling, aber ich glaube den Unterricht im Schulgebäude zu haben, wäre besser.“

„Meinetwegen könnte man auch weiter mit dem Distance Learning/Homeschooling weitermachen, jedoch MEHR Präsenzunterricht vor den Schularbeiten. Kann doch nicht sein dass man nur eine Stunde Präsenz vor der Mathe Schularbeit hat.“

„es waren viel zu viele aufträge und zu hohe erwartungen von uns.“

„Ich konnte meine Woche jedoch sehr gut mit einem Wochenplaner regeln, das habe ich eigentlich nie in der normalen Präsenzunterrichtszeit gemacht“

„Ich finde es toll, dass es so eine Umfrage gibt.“

„Einerseits hat mir Distance Learning gefallen, da man sich ausschlafen und sich die Arbeitszeit selbst einteilen konnte. Andererseits nicht, da Motivation fehlte, wodurch Stress entstand und das Verstehen gewissen Stoffes manchmal schwierig war.“

„Ich bin froh, dass wenigstens Schichtbetrieb in der Schule stattfindet.“

„Ich glaube, dass nicht nur das Distance-Learning, sondern auch die generelle Corona-Situation und Ausgangssperren großen Einfluss auf die mentale Belastung der SchülerInnen hatten.“ „Ich glaube, dass dieses "Distant Learning" auf keinen Fall den regulären Präsenzunterricht ersetzten wird. Auch würd ich gerne sagen, dass die psychische Belastbarkeit mit jeden Tag den man so verbringt immer größer wird und man daher auch die Motivation an der Schule und auch an anderen Sachen verliert.“

„Ich finde es super, dass so etwas gemacht wird, um zu zeigen, wie „gschissn, oag mühsam und zach“ das ganze Distance Learning und diese Situation für uns Schüler ist!“

„Ich bin dankbar für diejenigen Lehrer*innen, denen unsere Wohlbefinden wirklich wichtig ist, die viel Zeit ins Distance Learning investiert haben und schon seit Monaten schwarze Bildschirme unterrichten.“

„die Benotung ist teils sehr willkürlich ausgefallen... nicht im positiven Sinne!“

„Von manchen Lehrern wurde viel zu viel Stoff online durch Arbeitsaufträge durchgesetzt. Während des Präsenzunterrichtes hätte man niemals so viel gemacht.“

„Ich bin froh wieder in die Schule gehen zu dürfen.“

„Ich habe es als negativ empfunden, dass jeder Lehrer eine Onlinestunde abhalten musste.“

„Wir haben extrem viel zu tun. (familiäre Dinge und andere Einwirkungen ausgeschlossen)“

„Distance-learning ist wie ich finde zeitgerecht und sollte in unserem „normalen“ Alltag integriert werden. Bspw. 3 Wochen Präsenzunterricht und 1 Woche Distance-learning (in einer Welt ohne Virus). Allerdings keine Online-Meetings, sondern Aufträge, für die man diese eine Woche Zeit hat und wobei man sich die Zeit vollkommen selbstständig einteilen kann.“

„In einigen Aspekten war Distant Learning besser, weil man z.B. länger schlafen konnte und nicht jede Stunde Unterricht hatte. Dafür musste man aber am Nachmittag viel mehr und länger arbeiten und im Ganzen hat es sich so angefühlt wie viel mehr Aufwand für schlechtere Ergebnisse. Ich kann mich an weniger aus dem Unterricht erinnern und weiß auch nicht mehr wie ich für Tests und Schularbeiten lernen soll.“

„Im Großen und Ganzen fand ich das Distance Learning sehr cool und hab es genossen, denn man hat die Chance bekommen sich zu beweisen dass man bessere Noten haben möchte. Beim ersten Lockdown war es trotzdem sehr stressig und eine Belastung, da es eine sehr große Umstellung war. Doch jetzt finde ich ist es sehr gut gelöst und viele Lehrer übertreiben es auch nicht mit den Aufträgen.“

„Während des Distance Learnings war die Situation entspannter und man konnte sich besser konzentrieren als im Präsenzunterricht, weil wenn man einmal überfordert ist, kann man kurz zum Fenster gehen, frische Luft schnappen oder sich für 1-2 Minuten ins Bett legen und abschalten und danach wieder mit voller Energie ins Meeting "einsteigen" kann (Kamera wieder einschalten oder einfach wieder zuhören). Vor allem aber fiel der Stress von Tests und SA's weg, die ausgefallen sind. An die ausgiebigen Arbeitsaufträge hat man sich mit der Zeit gewohnt, aber wenn es jetzt weiterhin solche Arbeitsaufträge gibt und zusätzlich wieder alle Schularbeiten und Tests wird es sicherlich eine sehr stressige Zeit werden.“

„Ich hatte gemischte Gefühle über die verschiedenen Lockdowns hinweg. Am Anfang war ich ziemlich unglücklich mit online learning, aber jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt. Sicher, ich war gestresst und aufgewühlt und depressiv, aber es ist jetzt in letzter Zeit besser geworden.“

„Distance-Learning ist auf Dauer anstrengend, aber gelegentlich kann man es machen.“

„Aufgaben in den Hauptfächern waren oft machbarer als Aufgaben in Nebenfächern, denn vor allem in den Nebenfächern haben wir ständig Aufgaben zu erledigen.“

„Trotzt meiner negativen Erfahrungen mit dem Lockdown beziehungsweise ,,Distance Learning“. Verstehe ich deren Notwendigkeit und möchte nur sagen das die Durchführung das Problem war.“

„Distance Learning ist besser als Präsenzunterricht.“

Link zu den Ergebnissen: https://forms.office.com/Pages/AnalysisPage.aspx?id=1194HtvGf0COc3jc5BllKE5jMjKVTCtNmZAIPyNpHM9UQTcwNjRVVjcxVVkzT0tXMkJFS0ZLUzhBOS4u&AnalyzerToken=brvZHWsyhgkwpx94GeNdXQhKnJflTEr9

Prof. Rechberger & die WPG-Gruppe (8.Klasse) PP+


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